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DIRECTORS NOTE

Nachdem ich 1968 in Leipzig geboren wurde, bin ich auf der sogenannten „Marienhöhe“ zwischen Stötteritz und Probstheida aufgewachsen – aus meinem Fenster konnte ich jeden Tag das Völkerschlachtdenkmal sehen, dessen Silhouette sich über die Jahre in mir eingebrannt hat.

Wenn mich meine Mutter vom Kindergarten (mit Blick aufs Völkerschlachtdenkmal) abholte, gingen wir oft eine Umweg, damit ich mich den Berg an der Rückseite des Denkmals hinunterrollen konnte. Am letzten Kindergartentag zerbarst dabei meine Brotbüchse und das herausfallende Russischbrot blieb im Gras liegen.

Mit meinem Vater besuchten wir oft das kleine Museum gegenüber im Amselpark, in dem die Zinnsoldaten-Dioramen, die Uniformen und die Waffen der Völkerschlacht ausgestellt waren – heute ist darin ein Nichtraucherrestaurant für die Touristenbusse.

Mit Schulfreunden stieg ich mehrfach heimlich in die kaputten Lüftungsschächte, durch die man in den Unterbau des Denkmals konnte, wo gewaltige Säulen aus Zement in die Schwärze hinaufragten und wo vom Staub zerfallene Blumenkränze auf Steinquadern lagen, die vereinzelt in den Ecken standen. Die erhofften Schätze oder Waffen fanden wir nie.

Mit einem Freund übernachtete ich auf der obersten Riesenstufe des Denkmals mit Blick in den nachtschwarzen Südfriedhof. Der Wind pfiff um die Ecke und es war scheißkalt. Am Morgen fühlten wir uns wie Soldaten, die eine Schlacht gegen die Naturgewalten geschlagen hatten und dabei mit dem Leben davon gekommen waren.

Wenn ich Besuch von außerhalb habe, gehe ich meist mit ihnen zum Denkmal, nachts nach Mitternacht, wenn das Flutlicht erloschen ist. Dann setzen wir uns oben auf die erste Stufe und lassen die Atmosphäre ihr Übriges tun. Diese Initiation klappt immer – danach ist man sowas wie ein Denkmalianer.

Als ich nach einem mehrjährigen Zwischenstopp in Berlin wieder nach Leipzig zog, war klar, dass ich wieder in der Nähe des Denkmal leben wollte.

Während den Vorbereitungen zu unserem Trickfilm „Richard – Im Walkürenritt durch Wagners Leben“ diskutierten wir oft, wie man die Völkerschlacht darin thematisieren konnte, da Wagner kurz vor der Schlacht in Leipzig geboren wurde und mit dem Kanonendonner konfrontiert wurde. Wagners leiblicher Vater verstarb an den Folgen des Typhus, der nach der Schlacht in Leipzig ausbrach. Das Ergebnis war eine kurze Sequenz, die jedoch die aufwändigste des ganzen „Richard“-Filmes wurde: ein Kanonenschuss, hinter Rauch und Leichenbergen ein Wagner-Baby, das auf seiner Blechtrommel den Takt vorgibt, zu dem die Russen Napoleon davonjagen. Dahinter steigen die Geister der Toten in den brennenden Himmel auf, hinter sich die Silhouette des Völkerschlachtdenkmals.

Es war klar, dass das Thema „Völkerschlacht“ damit für mich noch nicht abgehakt war.

Meine Begeisterung für Beethoven (der auch für Wagner eine große, wenn nicht sogar die Initial-Inspiration war) tat dabei ein Übriges: seine 3. Sinfonie hatte der Komponist zunächst Napoleon gewidmet, da er in ihm den Prometheus sah, der die Ideale der französischen Revolution in Europa durchsetzen konnte. Als sich Napoleon jedoch selbst zum Kaiser ausrief, sah Beethoven diese Ideale und sich selbst verraten und er formulierte die Widmung seiner „Eroica“ um – so heißt es jedenfalls.

Der knapp bemessenen Zeit, die bis zum 200-jährigen Jubiläum der Völkerschlacht verblieb, zum Trotz hatte ich in der Endphase der „Richard“-Produktion endlich die Idee, wie wir das Thema packen konnten, um daraus einen emotionsgeladenen, sehenswerten Kurzfilm zu machen, der zeigen kann, was mich nicht loslässt an der Schlacht, die hier stattfand, wo jetzt das Denkmal steht. Und an dem Denkmal, am Krieg

Heute wohne ich natürlich wieder auf der „Marienhöhe“ und ich sehe jeden Tag das Völkerschlachtdenkmal, wenn ich aus meinem Fenster sehe.

– Schwarwel, Leipzig im Juni 2013

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